Wer in der Schweiz wohnt und Vollzeit arbeitet, aber keinen Schweizer Pass hat, verdient im Median 79'000 Franken im Jahr — Schweizerinnen und Schweizer 91'000. Eine Lücke von 12'000 Franken, rund 13 Prozent. Doch sie ist nicht überall gleich: In der Chefetage schrumpft sie auf ein Prozent, und hochqualifizierte Frauen ohne Schweizer Pass verdienen sogar mehr als Schweizerinnen. Am grössten ist die Lücke ausgerechnet dort, wo man sie am wenigsten vermuten würde — im Büro. Das zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zum Jahr 2025.
Vollzeit-Median: 79'000 statt 91'000
Führungskräfte: 125'000 statt 126'300
Bürokräfte: 70'000 statt 81'300
Was das Bundesamt gemeldet hat
Die Zahlen stammen aus der grossen Arbeitskräfte-Befragung des Bundes, ausgewertet fürs Jahr 2025. Verglichen werden Bruttoerwerbseinkommen pro Jahr, und zwar als Median: Die eine Hälfte der jeweiligen Gruppe verdient mehr, die andere weniger. Alle Zahlen in diesem Artikel sind Vollzeit-Werte — 90% Pensum und mehr, auf beiden Seiten. Unterschiedliche Pensen erklären die Lücke also nicht.
«Ohne Schweizer Pass» heisst dabei genau das: ausländische Staatsangehörige, die dauerhaft in der Schweiz wohnen — mit Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung. Wer eingebürgert ist, zählt als Schweizerin oder Schweizer. Wer im Ausland wohnt und zum Arbeiten über die Grenze kommt, ist gar nicht mitgezählt — dazu später mehr.
Der Gesamtwert: Schweizer verdienen Vollzeit im Median 91'000 Franken, ausländische Staatsangehörige 79'000. Bei den Männern ist der Abstand grösser (96'000 gegenüber 81'000, rund 16%), bei den Frauen kleiner (81'200 gegenüber 73'200, rund 10%).
In der Chefetage ist die Lücke praktisch weg
Schlüsselt man die Einkommen nach Berufsgruppen auf, verschwindet die Lücke dort, wo am meisten verdient wird. Führungskräfte ohne Schweizer Pass kommen auf 125'000 Franken, Schweizer Führungskräfte auf 126'300 — ein Unterschied von einem Prozent. Bei den Männern in Führungspositionen ist er ganz verschwunden: 130'000 Franken auf beiden Seiten, exakt gleich.
Dasselbe Bild in den akademischen Berufen — Ärztinnen, Ingenieure, Juristinnen, Informatiker: 108'000 gegenüber 110'700 Franken, gut zwei Prozent Abstand. Die beiden bestbezahlten Berufsgruppen der Schweiz sind zugleich die beiden, in denen der Pass beim Lohn kaum noch sichtbar ist.
Am grössten ist die Lücke im Büro
Man würde die grösste Lücke am unteren Ende vermuten — bei den Hilfsarbeitskräften. Dort beträgt sie aber knapp 9 Prozent. Am grössten ist sie in der Mitte: Bürokräfte und kaufmännische Angestellte ohne Schweizer Pass verdienen 70'000 Franken, Schweizer 81'300 — fast 14 Prozent weniger, mehr als in jeder anderen der neun Berufsgruppen.
Das Muster ist deutlich: Je weiter oben eine Berufsgruppe in der Lohnskala steht, desto kleiner wird die Lücke — mit den Büroberufen als auffälligem Ausreisser in der Mitte. Eine Berufsgruppe fehlt im Chart, weil sie die Richtung wechselt: In der Landwirtschaft verdienen ausländische Fachkräfte mehr als Schweizer, 65'000 gegenüber 61'100 Franken. Die Stichprobe ist dort so klein, dass das BFS einzelne Unterwerte nur mit Vorbehalt publiziert — aber es ist die einzige Gruppe, in der die Lücke ins Plus dreht.
Hochqualifizierte Frauen ohne Schweizer Pass verdienen mehr als Schweizerinnen
Trennt man zusätzlich nach Geschlecht, zeigt sich am oberen Ende eine zweite Umkehr. Ausländische Akademikerinnen verdienen Vollzeit 98'000 Franken — Schweizer Akademikerinnen 95'000. Ausländische Führungsfrauen kommen auf 120'000 Franken, Schweizerinnen auf 117'000. Und auch bei den Arbeitnehmerinnen mit Vorgesetztenfunktion liegt die Gruppe ohne Schweizer Pass vorn: 87'800 gegenüber 86'500 Franken.
In allen drei Schnitten am oberen Ende dreht die Lücke bei den Frauen also ins Plus. Bei den Männern derselben Gruppen tut sie das nicht: exakt null bei den Führungskräften, rund 6 Prozent Minus in den akademischen Berufen, rund 10 Prozent bei der Vorgesetztenfunktion. Die Umkehr am oberen Ende ist in dieser Auswertung ein reines Frauen-Phänomen — warum, sagen die Zahlen nicht.
Seit 1991 lag die Lücke nie unter 10 Prozent
Die Befragung läuft seit 1991 — und über diese 35 Jahre ist die Lücke erstaunlich stabil. Sie pendelte zwischen rund 10 und 19 Prozent: am grössten Anfang der Nullerjahre, am kleinsten um 2021. 2025 liegt sie mit rund 13 Prozent ungefähr dort, wo sie 1991 zu Beginn der Messung lag.
Die Lücke ist damit ein stabiles Merkmal des Schweizer Arbeitsmarkts: Sie hat sich in 35 Jahren weder aufgelöst noch deutlich vergrössert — durch alle Wirtschaftslagen hindurch blieb sie in derselben Grössenordnung.
Die Zahlen vergleichen Gruppen, nicht Jobs
Zu diesem Vergleich gehört ein Vorbehalt, und er verkleinert die Aussagekraft der grossen Zahl: Das sind Rohwerte. Sie vergleichen zwei Bevölkerungsgruppen miteinander, nicht dieselbe Tätigkeit im selben Betrieb. Schweizer und ausländische Erwerbstätige verteilen sich unterschiedlich auf Branchen, Funktionen und Ausbildungswege — ein Teil der 12'000 Franken entsteht schlicht dadurch, dass die beiden Gruppen unterschiedliche Arbeit machen.
Die Gesamtlücke überzeichnet darum, was der Pass allein «kostet». Näher dran sind die Abstände innerhalb der Berufsgruppen — die 14 Prozent im Büro vergleichen wenigstens Büroarbeit mit Büroarbeit. Aber auch sie mischen noch Branchen, Berufserfahrung und Positionen. Was von der Lücke nach all diesen Faktoren übrig bliebe, weist die Erhebung nicht aus — sie zeigt, wo die Abstände verlaufen, nicht warum.
Wer im Ausland wohnt, zählt hier nicht
Der zweite Vorbehalt betrifft nicht die Höhe der Lücke, sondern wovon sie überhaupt spricht. Die Befragung erfasst die ständige Wohnbevölkerung — also nur Menschen, die dauerhaft in der Schweiz wohnen. Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die in Frankreich, Deutschland oder Italien wohnen und in Genf, Basel oder im Tessin arbeiten, kommen in diesen Zahlen nicht vor. Ob die Lücke mit ihnen grösser oder kleiner wäre, lässt sich aus dieser Erhebung nicht sagen.
Und die Gruppen sind über den Pass definiert, nicht über die Herkunft: Wer sich einbürgern lässt, wechselt in der Statistik die Seite. Da die Einbürgerung in der Regel zehn Jahre Aufenthalt voraussetzt, sammeln sich in der Gruppe «ausländische Staatsangehörige» systematisch mehr Menschen, die erst seit Kurzem in der Schweiz arbeiten. Die beiden Gruppen unterscheiden sich also nicht nur beim Pass, sondern auch darin, wie lange sie schon im Schweizer Arbeitsmarkt stehen — wie viel der Lücke das erklärt, weist die Erhebung ebenfalls nicht aus.
Was heisst das für dich?
Rund ein Viertel der Menschen, die in der Schweiz arbeiten, hat keinen Schweizer Pass — wenn dich diese Zahlen betreffen, nimmst du drei Dinge mit:
- Die Funktion entscheidet, nicht der Pass. In Führungspositionen und akademischen Berufen ist die Lücke ein bis zwei Prozent — bei hochqualifizierten Frauen dreht sie ins Plus. Die 13 Prozent der Schlagzeile sind ein Durchschnitt über sehr unterschiedliche Situationen, nicht dein persönlicher Abschlag.
- Am wichtigsten ist der Marktwert-Check im Büro und in der Produktion. Dort, wo die Lücke am grössten ist — kaufmännische Berufe, Maschinenbedienung, Verkauf —, lohnt es sich am meisten, den üblichen Lohn für die eigene Funktion zu kennen, bevor die erste Zahl fällt. Was in deinem Beruf und deiner Region üblich ist, zeigt dir unser Schweizer Lohnrechner.
- Rechne mit dem Ist-Zustand, nicht mit dem Trend. Die Lücke ist seit 35 Jahren stabil — für die eigene Planung zählt darum die heutige Zahl deiner Berufsgruppe, nicht die Erwartung, dass sie sich verschiebt. Was sich einzeln verschieben lässt, ist die eigene Position — mit Lohn-Transparenz, anerkannten Abschlüssen und dem Wissen, was die Funktion am Markt wert ist.
Wie sich derselbe Datensatz zwischen Frauen und Männern aufteilt, steht in unserer Auswertung zum Lohnunterschied zwischen Frau und Mann — und was Selbständige im Vergleich zu Angestellten verdienen, in der Auswertung zur Selbständigkeit.
Häufige Fragen
Wie gross ist der Lohnunterschied zwischen Schweizern und Ausländern?
Vollzeit-Erwerbstätige mit Schweizer Pass verdienen 2025 im Median 91'000 Franken im Jahr, ausländische Staatsangehörige 79'000 — ein Unterschied von 12'000 Franken oder rund 13 Prozent (BFS-Arbeitskräfteerhebung 2025). Der Wert vergleicht Gruppen, nicht identische Tätigkeiten.
Verdienen Ausländer in der Schweiz überall weniger?
Nein. Bei den Führungskräften beträgt der Abstand ein Prozent (125'000 gegenüber 126'300 Franken), in den akademischen Berufen gut zwei Prozent. In der Landwirtschaft verdienen ausländische Fachkräfte sogar mehr (65'000 gegenüber 61'100). Am grössten ist die Lücke bei den Bürokräften mit fast 14 Prozent.
Woran liegt der Lohnunterschied?
Das weist die Erhebung nicht aus. Es sind Rohwerte: Die beiden Gruppen verteilen sich unterschiedlich auf Branchen, Funktionen, Ausbildungen und Berufserfahrung im Schweizer Arbeitsmarkt — ein Teil der Lücke entsteht durch diese Unterschiede. Wie viel nach Abzug all dieser Faktoren übrig bliebe, lässt sich aus diesen Zahlen nicht berechnen.
Zählen Grenzgänger zu diesen Zahlen?
Nein. Die Erhebung erfasst nur die ständige Wohnbevölkerung — Menschen, die dauerhaft in der Schweiz wohnen. Wer im Ausland wohnt und zum Arbeiten in die Schweiz pendelt, kommt in diesen Zahlen nicht vor.
Wer gilt in der Statistik als Ausländerin oder Ausländer?
Ausländische Staatsangehörige mit dauerhaftem Wohnsitz in der Schweiz — mit Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung, einschliesslich Kurzaufenthalter mit mindestens zwölf Monaten Bewilligung. Massgebend ist der Pass: Wer eingebürgert ist, zählt als Schweizerin oder Schweizer.
Hat sich die Lücke über die Jahre verkleinert?
Nicht dauerhaft. Seit Messbeginn 1991 pendelte sie zwischen rund 10 und 19 Prozent und lag nie unter 10 Prozent. 2025 beträgt sie rund 13 Prozent — ungefähr gleich viel wie Anfang der Neunzigerjahre.