FunkyJobs Journal · Nr. 008

Selbständig sein lohnt sich selten — ausser in zwei Berufsgruppen

Wer sich selbständig macht, verdient in der Schweiz meistens weniger als angestellt — aber nicht überall. In sieben von neun Berufsgruppen liegt das Vollzeit-Einkommen der Selbständigen unter dem der Angestellten, bei den Führungskräften um 33'700 Franken. Bei den akademischen Berufen dreht sich das Verhältnis um: Dort verdienen Selbständige 7'800 Franken mehr — und knapp im Plus liegen auch die Hilfsarbeitskräfte. Das zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik zum Jahr 2025.

+7'800 Fr.
akademische Berufe
selbständig statt angestellt, Vollzeit
−33'700 Fr.
Führungskräfte
der grösste Abstand nach unten
64'900 Fr.
Median aller Selbständigen
Angestellte: 74'400 Franken

Was das Bundesamt gemeldet hat

Die Zahlen stammen aus der grossen Arbeitskräfte-Befragung des Bundes, über 100'000 Personen, ausgewertet fürs Jahr 2025. 686'000 Menschen in der Schweiz arbeiten selbständig — rund 14% aller Erwerbstätigen. Ihr typisches Bruttoerwerbseinkommen liegt bei 64'900 Franken im Jahr: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Bei den Angestellten liegt derselbe Wert bei 74'400 Franken.

Das ist ein Abstand von 9'500 Franken — und der erste Reflex wäre, ihn mit dem Pensum zu erklären. Der trägt aber nicht: Der Teilzeit-Anteil ist in beiden Gruppen fast gleich hoch, 42% bei den Selbständigen, 39% bei den Angestellten. Vergleicht man nur Vollzeit gegen Vollzeit, bleibt der Abstand bestehen, er wird bloss kleiner: 80'500 gegenüber 88'400 Franken, also 7'900 Franken oder rund 9%.

Alle folgenden Zahlen sind darum Vollzeit-Werte — 90% Pensum und mehr, auf beiden Seiten. «Selbständig» umfasst dabei auch Personen, die im eigenen Betrieb angestellt sind, also etwa Inhaberinnen und Inhaber einer eigenen GmbH oder AG.

Zwei Berufsgruppen verdienen selbständig mehr

Aufgeschlüsselt nach Berufsgruppe zeigt sich, dass «selbständig verdient weniger» keine allgemeine Regel ist, sondern von der Tätigkeit abhängt. In zwei von neun Gruppen liegt der Selbständigen-Median höher — deutlich bei den akademischen Berufen, knapp bei den Hilfsarbeitskräften:

Median-Erwerbseinkommen Vollzeit 2025: angestellt → selbständig (BFS SAKE)
  • 1. Akademische Berufe +7'800
    CHF 110'000 CHF 117'800
  • 2. Hilfsarbeitskräfte +3'000
    CHF 62'500 CHF 65'500

Die akademischen Berufe sind der klarere der beiden Fälle, und es ist die Gruppe mit den klassischen selbständigen Laufbahnen: eigene Arztpraxis, eigene Kanzlei, eigenes Architektur- oder Treuhandbüro. Mit 117'800 Franken ist das zugleich der höchste Selbständigen-Median aller Berufsgruppen — höher als bei den selbständigen Führungskräften.

In sieben von neun Berufsgruppen verdienen Selbständige weniger

Die Spannweite ist gross. Im Handwerk fehlen nur 2'600 Franken — wer den eigenen Betrieb Vollzeit führt, verdient fast gleich viel wie angestellt. Den Führungskräften dagegen fehlt ein Viertel: selbständig 100'000 Franken, angestellt 133'700.

Median-Erwerbseinkommen Vollzeit 2025: angestellt → selbständig (BFS SAKE)
  • 1. Führungskräfte −33'700
    CHF 133'700 CHF 100'000
  • 2. Fachkräfte in der Landwirtschaft −14'000
    CHF 68'700 CHF 54'700
  • 3. Anlagen- und Maschinenbediener −11'100
    CHF 75'400 CHF 64'300
  • 4. Techniker und gleichrangige Berufe −10'300
    CHF 92'200 CHF 81'900
  • 5. Dienstleistungs- und Verkaufsberufe −5'000
    CHF 64'800 CHF 59'800
  • 6. Bürokräfte, kaufmännische Angestellte −4'300
    CHF 78'700 CHF 74'400
  • 7. Handwerks- und verwandte Berufe −2'600
    CHF 77'700 CHF 75'100

Eine Einordnung gehört dazu: Das sind Rohwerte. Sie vergleichen ganze Berufsgruppen miteinander, nicht dieselbe Tätigkeit im selben Betrieb. Wer in einer Gruppe selbständig arbeitet, macht oft etwas anderes als wer dort angestellt ist — eine selbständige Führungskraft führt in der Regel den eigenen kleinen Betrieb, eine angestellte sitzt im Kader eines grossen. Die Erhebung zeigt, wo die Abstände verlaufen. Warum sie so verlaufen, sagt sie nicht.

Das Risiko, unter 52'000 Franken zu bleiben, ist dreimal so hoch

Ein Median ist ein einzelner Punkt in der Mitte. Er verschweigt, wie breit sich die Einkommen darum verteilen — und genau dort liegt der interessantere Unterschied zwischen selbständig und angestellt.

Am oberen Ende sind sich die beiden Gruppen nämlich erstaunlich ähnlich. Von den Vollzeit-Selbständigen verdienen 31% mehr als 104'000 Franken im Jahr, von den Vollzeit-Angestellten 34%. Wer selbständig arbeitet, landet also praktisch gleich oft in der obersten Einkommensklasse.

Am unteren Ende gehen die beiden Gruppen dagegen weit auseinander. Unter 52'000 Franken bleiben 20% der Vollzeit-Selbständigen, aber nur 6.5% der Vollzeit-Angestellten — rund dreimal so häufig, bei vollem Pensum auf beiden Seiten.

Der tiefere Median der Selbständigen kommt also nicht daher, dass ihnen die Spitzeneinkommen fehlen — die gibt es fast gleich oft. Er kommt daher, dass am unteren Ende deutlich mehr Menschen landen. Wer sich selbständig macht, gibt statistisch nicht die Chance auf ein hohes Einkommen auf, trägt aber ein deutlich höheres Risiko auf ein tiefes.

Bei Teilzeit ist der Abstand am grössten

Nicht jede Selbständigkeit ist ein Vollzeit-Betrieb. 285'000 der 686'000 Selbständigen arbeiten Teilzeit, und dort fällt der Vergleich am deutlichsten aus: 36'000 Franken im Median gegenüber 46'600 Franken bei den Teilzeit-Angestellten. Das sind 10'600 Franken oder rund 23% weniger — der grösste relative Abstand in der ganzen Auswertung.

Auch hier gilt der Rohwert-Vorbehalt: «Teilzeit» heisst in dieser Erhebung alles unter 90% Pensum, und wie sich die Pensen innerhalb dieser Spanne verteilen, ist nicht ausgewiesen.

Was als Dividende fliesst, sieht die Statistik nicht

Zu diesem ganzen Vergleich gehören zwei Vorbehalte. Der erste lässt die Lücke grösser erscheinen, als sie ist: Die Erhebung erfasst nur Erwerbseinkommen — Lohn, Einkünfte aus selbständiger Arbeit und beschäftigungsbezogene Sozialleistungen. Wer den eigenen Betrieb als GmbH oder AG führt, kann einen Teil des Gewinns aber als Dividende beziehen statt als Lohn — und eine Dividende ist Beteiligungsertrag, kein Erwerbseinkommen. Bei diesen Personen zeigt die Statistik nur den Lohnteil.

Grenzenlos ist diese Verschiebung nicht: Zahlt sich jemand einen unangemessen tiefen Lohn und gleichzeitig eine im Verhältnis zum eingesetzten Kapital übermässige Dividende, kann die Ausgleichskasse die Dividende als Lohn aufrechnen — das hat das Bundesgericht bestätigt. Und sie betrifft nur einen Teil der Gruppe: Bei einer Einzelfirma gibt es keine Dividende, dort ist der Gewinn das Einkommen und wird erfasst. Wie viele Selbständige je Berufsgruppe eine eigene Gesellschaft haben, weist die Erhebung nicht aus. Die ausgewiesenen Abstände sind darum eher Ober- als Untergrenzen.

Ein Franken selbständig ist nicht ein Franken angestellt

Der zweite Vorbehalt läuft in die Gegenrichtung: Derselbe Betrag kauft nicht gleich viel Sicherheit. Selbständigerwerbende sind bei AHV, IV und EO obligatorisch versichert, bei der Arbeitslosenversicherung dagegen gar nicht; berufliche Vorsorge (BVG) und Unfallversicherung sind freiwillig. Es gibt keinen Arbeitgeberanteil, keinen automatischen 13. Monatslohn und keine bezahlten Ferien. Wer sich gleichwertig absichern will, bezahlt das aus demselben Betrag.

Unter dem Strich: Der eine Vorbehalt lässt den gemessenen Abstand zu gross erscheinen, der andere zu klein, und die Erhebung erlaubt es nicht, sie gegeneinander aufzurechnen. Belastbar sind darum nicht die Frankenbeträge auf den letzten Hunderter, sondern die Muster — welche Berufsgruppen weit auseinanderliegen und wie unterschiedlich breit sich die Einkommen verteilen.

Was heisst das für dich?

Der eigene Betrieb ist für viele der eigentliche Plan: selber entscheiden, woran man arbeitet, mit wem und zu welchen Bedingungen. Die Zahlen sprechen nicht dagegen. Sie zeigen aber, dass dieser Weg breiter auffächert als eine Anstellung — nach oben ist gleich viel Platz, nach unten deutlich mehr. Drei Dinge nimmst du darum mit:

  • Die Berufsgruppe entscheidet mehr als die Rechtsform. In den akademischen Berufen liegt der selbständige Median über dem angestellten, im Kader deutlich darunter. Ein pauschales «selbständig verdient man mehr» oder «weniger» gibt die Statistik nicht her.
  • Rechne mit der Streuung, nicht mit dem Median. Die Chance auf ein hohes Einkommen ist selbständig etwa gleich gross wie angestellt, das Risiko auf ein tiefes dreimal so gross. Am unteren Ende heisst das: 15'000 Menschen arbeiten Vollzeit im eigenen Betrieb und kommen dabei auf höchstens 26'000 Franken im Jahr.
  • Die Absicherung zahlst du selber. ALV, BVG, Unfallversicherung, 13. Monatslohn und Ferien sind im Angestelltenlohn enthalten, im Selbständigen-Einkommen nicht. Rechne sie ein, bevor du die beiden Zahlen nebeneinanderlegst.

Und etwas, das nicht in den Zahlen steht, sondern in ihrer Lücke: Die Erhebung misst ein Jahr. Ein Aufbaujahr und eine Sackgasse sehen darin genau gleich aus. Unterscheiden kann die beiden nur, wer vorher festgelegt hat, woran er es merkt — welches Einkommen bis wann, welche Reserve, und was passiert, wenn beides nicht eintrifft. Dieser Punkt gehört definiert, bevor du startest, nicht im dritten mageren Jahr.

Und wenn er erreicht ist, ist der Rückweg kein Scheitern, sondern eine Entscheidung. Wer ein paar Jahre einen eigenen Betrieb geführt hat, hat Kunden gewonnen, Offerten gerechnet und unter Druck Prioritäten gesetzt — das ist in einer Anstellung nicht weniger wert. Was in deinem Beruf und deiner Region als angestellter Lohn üblich ist, prüfst du mit unserem Schweizer Lohnrechner. Wie sich der Abstand zwischen Frauen und Männern durch dieselbe Erhebung zieht, steht in unserer Auswertung zum Lohnunterschied zwischen Frau und Mann — bei den Selbständigen ist er mit 18'200 Franken noch grösser als bei den Angestellten.

Häufige Fragen

Was verdienen Selbständige in der Schweiz?

Der Median liegt 2025 bei CHF 64'900 im Jahr über alle Pensen hinweg: Die eine Hälfte der Selbständigen verdient mehr, die andere weniger. Bei Vollzeit sind es 80'500 Franken, bei Teilzeit 36'000 Franken (BFS, SAKE 2025).

Verdient man selbständig mehr als angestellt?

In den meisten Berufsgruppen nicht. Vollzeit gegen Vollzeit liegt der Median der Selbständigen bei 80'500 Franken, jener der Angestellten bei 88'400. In sieben von neun Berufsgruppen ist der Selbständigen-Median tiefer, am deutlichsten bei den Führungskräften (100'000 gegenüber 133'700 Franken). Höher ist er in den akademischen Berufen (117'800 gegenüber 110'000) und knapp bei den Hilfsarbeitskräften (65'500 gegenüber 62'500).

Warum ist der Median der Selbständigen tiefer, wenn es gleich viele Spitzenverdiener gibt?

Weil sich am unteren Ende deutlich mehr Selbständige sammeln. Über 104'000 Franken verdienen 31% der Vollzeit-Selbständigen und 34% der Vollzeit-Angestellten — praktisch gleich viele. Unter 52'000 Franken bleiben dagegen 20% der Selbständigen, aber nur 6.5% der Angestellten. Die Einkommen sind breiter gestreut, nicht generell tiefer.

Sind die beiden Zahlen überhaupt vergleichbar?

Nur mit Vorbehalt, und zwei Effekte wirken gegeneinander. Die Erhebung erfasst nur Erwerbseinkommen — Dividenden von GmbH- und AG-Inhabern tauchen darin nicht auf, was die Lücke grösser erscheinen lässt, als sie ist. In die Gegenrichtung wirkt, dass Selbständige keine Arbeitslosenversicherung haben, BVG und Unfallversicherung freiwillig sind und weder 13. Monatslohn noch bezahlte Ferien im Betrag stecken — dieselbe Summe ist also weniger wert. Belastbar sind darum die Muster zwischen den Berufsgruppen, nicht die exakten Frankenbeträge.

Wie viele Selbständige gibt es in der Schweiz?

686'000 Personen, rund 14% aller Erwerbstätigen (2025). Davon arbeiten 401'000 Vollzeit und 285'000 Teilzeit. Mitgezählt sind Personen, die im eigenen Betrieb angestellt sind — etwa Inhaberinnen und Inhaber einer eigenen GmbH oder AG.