FunkyJobs Journal · Nr. 007

Frauen verdienen im Schnitt 11'100 Franken weniger

Männer verdienen in der Schweiz Vollzeit 92'000 Franken im Jahr, Frauen 80'900 — eine Lücke von 11'100 Franken. So weit die neue Zahl des Bundesamts für Statistik, diese Woche veröffentlicht. Diese eine Zahl sagt aber nichts darüber, wie ungleich sich der Abstand verteilt: Am breitesten ist er dort, wo am meisten zu verdienen ist — bei den Spitzenlöhnen, in den akademischen Berufen und bei den Selbständigen.

11'100 Fr.
weniger pro Jahr
Vollzeit-Median, Frau vs. Mann
18'200 Fr.
Lücke bei Selbständigen
noch grösser als bei Angestellten
2×
so viele Frauen wie Männer
verdienen Vollzeit unter 52'000 Fr.

Was diese Woche gemeldet wurde

Die Zahlen stammen aus der grossen Arbeitskräfte-Befragung des Bundes — über 100'000 Personen, ausgewertet fürs Jahr 2025. Der typische Vollzeit-Jahreslohn liegt bei CHF 87'000 brutto: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Trennt man nach Geschlecht, klafft die Lücke auf — Männer 92'000, Frauen 80'900 Franken, ein Abstand von rund 12%.

Wichtig für die Einordnung: Das sind Vollzeit-Werte. Der Unterschied kommt hier also nicht daher, dass Frauen weniger Stunden arbeiten — beide Seiten haben eine volle Stelle. (Gemessen wird das gesamte Erwerbseinkommen: Lohn, Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und beschäftigungsbezogene Sozialleistungen.)

Der Graben ist oben am breitesten

Der Abstand verteilt sich nicht gleichmässig über die Lohnskala. Am oberen Ende verdienten 2025 33% der Vollzeit-Männer mehr als 104'000 Franken, aber nur 22% der Frauen. Am unteren Ende kehrt sich das Verhältnis um: 12% der Vollzeit-Frauen kamen auf weniger als 52'000 Franken — doppelt so viele wie bei den Männern (6%). Männer sind in den Spitzenlöhnen übervertreten, Frauen in den tiefsten Vollzeit-Löhnen.

Dasselbe Muster zeigt sich, wenn man nach Berufsgruppe aufschlüsselt — Vollzeit gegen Vollzeit. Am grössten ist der prozentuale Abstand in den beiden bestbezahlten Gruppen:

Median-Jahreslohn Vollzeit: Frau → Mann nach Berufsgruppe (BFS SAKE 2025)
  • 1. Akademische Berufe −17.8%
    CHF 96'600 CHF 117'500
  • 2. Führungskräfte −14.3%
    CHF 120'000 CHF 140'000
  • 3. Dienstleistung & Verkauf −13.9%
    CHF 60'000 CHF 69'700
  • 4. Techniker & gleichrangige Berufe −13.8%
    CHF 83'900 CHF 97'300
  • 5. Bürokräfte & kaufm. Angestellte −6.1%
    CHF 76'700 CHF 81'700

Am breitesten ist die Lücke bei den akademischen Berufen (−17.8%) und in den Führungsetagen (−14.3%) — genau dort, wo am meisten Lohn zu verteilen ist. Am schmalsten bei den Büro- und kaufmännischen Angestellten (−6.1%), wo Funktionen und Lohnbänder enger definiert sind.

Eine Einordnung gehört dazu: Das sind Rohzahlen. Sie vergleichen ganze Berufsgruppen, nicht Job für Job — und innerhalb einer Gruppe besetzen Frauen und Männer oft verschiedene Funktionen und Stufen. Wie viel vom Abstand am Ende «gleiche Arbeit, weniger Lohn» ist, sagt diese Erhebung nicht. Sie zeigt, wo der Graben verläuft — nicht, woher jeder einzelne Franken kommt.

Am grössten bei den Selbständigen

Eine Zahl sticht selbst aus diesem Muster heraus: Bei den Selbständigen ist die Lücke am breitesten. Männer mit eigenem Betrieb kommen im Median auf CHF 85'700, Frauen auf 67'50018'200 Franken Unterschied oder gut 21%, deutlich mehr als bei den Angestellten.

Warum gerade hier, sagt die Erhebung nicht. Anders als ein Angestelltenlohn wird ein Selbständigen-Einkommen mit niemandem ausgehandelt — es ist schlicht das, was der eigene Betrieb abwirft. Und das hängt von Faktoren ab, die diese Statistik nicht erfasst: Branche, Grösse, Risiko und Pensum des Betriebs. Ob Männer und Frauen hier im Schnitt andere Wege gehen, lässt sich mit diesen Zahlen darum weder belegen noch widerlegen. Festhalten lässt sich nur: Der Abstand verschwindet auch dort nicht, wo es keine Lohntabelle und keinen Chef gibt.

Was heisst das für dich?

Zwei Dinge nimmst du aus den Zahlen mit:

  • Der Abstand ist oben am grössten, nicht unten. Er konzentriert sich bei den hohen Löhnen und in den bestbezahlten Funktionen — also genau dort, wo Karriereschritte am meisten Geld bewegen. Wer dorthin strebt, sollte die üblichen Zahlen kennen.
  • Verhandeln mit Zahlen schlägt verhandeln mit Bauchgefühl. Beim Angestelltenlohn ist die Verhandlung der direkteste Hebel: Wer weiss, was für die eigene Funktion und Region üblich ist, geht anders ins Gespräch.

Was in deinem Beruf und deiner Region üblich ist, kannst du mit unserem Schweizer Lohnrechner prüfen — inklusive regionaler Unterschiede und Pensum-Anpassung.

Häufige Fragen

Wie gross ist der Lohnunterschied zwischen Frau und Mann 2025?

Bei einer Vollzeitstelle verdienen Männer im Median CHF 92'000 im Jahr, Frauen 80'900 — eine Differenz von 11'100 Franken oder rund 12% (BFS, Daten 2025). Bei den Selbständigen ist der Abstand mit 18'200 Franken (85'700 gegenüber 67'500) noch grösser.

Wo ist der Unterschied am grössten?

Dort, wo am meisten verdient wird. In den Spitzenlöhnen (über 104'000 Franken verdienen 33% der Männer, aber nur 22% der Frauen), in den bestbezahlten Berufsgruppen (akademische Berufe −17.8%, Führungskräfte −14.3%) und bei den Selbständigen (−18'200 Franken, rund 21%). Am kleinsten ist er bei den Büro- und kaufmännischen Angestellten (−6.1%).

Heisst das, Frauen bekommen für die gleiche Arbeit weniger?

Das lässt sich aus diesen Zahlen nicht direkt ablesen. Es sind Rohwerte, die ganze Berufsgruppen vergleichen — nicht dieselbe Funktion auf derselben Stufe. Sie zeigen, wo der Abstand verläuft, aber nicht, wie viel davon auf unterschiedliche Jobs, Stufen und Laufbahnen zurückgeht und wie viel auf ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit.

Welche Daten liegen der Auswertung zugrunde?

Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des Bundesamts für Statistik mit über 100'000 Befragten, veröffentlicht im Juni 2026 für das Jahr 2025. Erfasst wird das jährliche Bruttoerwerbseinkommen von Vollzeit-Erwerbstätigen.