FunkyJobs Journal · Nr. 006

Schweizer Löhne nach Branche: Wer seit 2022 zulegte — und wer nicht

Wer 2024 in der Schweizer Pharmabranche arbeitete, verdiente immer noch über CHF 10'000 im Monat — und gehörte damit zu den bestbezahlten des Landes. Trotzdem ist dieser Lohn gegenüber 2022 leicht gesunken. Im Tiefbau, gut 3'000 Franken darunter, stieg der typische Lohn im selben Zeitraum um 6 Prozent. Die neuste Lohnstudie des Bundes zeigt: Gut bezahlt heisst nicht automatisch steigend. Wir haben verglichen, in welchen Branchen der Lohn zwischen 2022 und 2024 wirklich zulegte — und in welchen er stillstand.

+6.0%
Stärkster Lohnsprung
Tiefbau, 2022 → 2024
−1.3%
Grösster Rückgang
Pharma — trotz Spitzenlohn
+3.5%
Typischer Lohn gesamt
CHF 6'788 → 7'024 im Monat

Das Gesamtbild in einem Satz

Alle zwei Jahre erhebt das Bundesamt für Statistik, was die Schweiz wirklich verdient — zuletzt für 2024, veröffentlicht im November 2025. Das Ergebnis in einer Zahl: Der typische Lohn liegt bei CHF 7'024 brutto im Monat. Die Hälfte aller Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Zwei Jahre zuvor waren es CHF 6'788 — ein Plus von 236 Franken oder 3.5%.

Auf dem Lohnzettel klingt das gut. Weil in denselben zwei Jahren aber auch Mieten, Krankenkassen und der Einkauf teurer wurden, blieb unter dem Strich wenig übrig — die Teuerung frass den grössten Teil weg. Für den Branchen-Vergleich ist diese Zahl trotzdem die wichtigste: Merk dir +3.5% als Nulllinie. Jede Branche, die stärker zulegte, hat echt aufgeholt. Jede, die darunter blieb, ist zurückgefallen — auch wenn auf dem Lohnzettel ein Plus steht.

Die Aufsteiger: wo der Lohn wirklich kletterte

Sechs Branchen stechen klar heraus. In allen stieg der typische Lohn deutlich stärker als die +3.5% im Schnitt — hier haben Beschäftigte über zwei Jahre echtes Plus gemacht, nicht nur die Teuerung ausgeglichen:

Grösste Lohnzuwächse nach Branche — typischer Monatslohn 2022 → 2024 (CHF)
  • 1. Tiefbau +6.0%
    CHF 6'754 CHF 7'161
  • 2. Unternehmensberatung +5.7%
    CHF 9'856 CHF 10'418
  • 3. Maschinenbau +5.3%
    CHF 7'245 CHF 7'632
  • 4. Landverkehr & Logistik +5.3%
    CHF 6'309 CHF 6'641
  • 5. Öffentliche Verwaltung +5.2%
    CHF 8'433 CHF 8'872
  • 6. Informatik & IT-Dienstleistungen +4.9%
    CHF 9'412 CHF 9'874

Hinter den Zahlen stehen zwei Kräfte, die immer wieder zusammenfallen: Fachkräftemangel und tariflicher Schutz.

Im Bau koppelt der Landesmantelvertrag die Mindestlöhne jedes Jahr an die Teuerung — wenn die Preise steigen, steigen die Tariflöhne automatisch mit. Zusammen mit dem anhaltenden Mangel an Bauleuten zieht das den Tiefbau (+6.0%) und das übrige Baugewerbe nach oben. Ähnlich bei Maschinenbau und in der Logistik: Knappe, gut ausgebildete Fachkräfte und Fahrer:innen haben in der Lohnverhandlung schlicht mehr Gewicht.

Auffällig ist die öffentliche Verwaltung mit +5.2%. Der Staat hat die Teuerung grosszügiger ausgeglichen als viele private Arbeitgeber — über den ganzen öffentlichen Sektor stieg der typische Lohn von CHF 8'094 auf 8'422 (+4.1%), im privaten Sektor nur von 6'510 auf 6'722 (+3.3%). Wer Lohnsicherheit sucht, fand sie in den letzten zwei Jahren eher beim Bund, Kanton oder in der Gemeinde. Informatik und Unternehmensberatung schliesslich profitierten vom Ausläufer des Tech-Booms — beides Wissensarbeit mit hoher Wertschöpfung. Ob dieser Vorsprung hält, ist allerdings die grosse offene Frage; dazu gleich mehr.

Die Stillsteher: wo zwei Jahre kaum etwas brachten

Am anderen Ende stehen Branchen, in denen der typische Lohn praktisch auf der Stelle trat — oder sogar fiel. Gemessen an der +3.5%-Nulllinie sind das die Verlierer der letzten zwei Jahre:

Kleinste Lohnzuwächse nach Branche — typischer Monatslohn 2022 → 2024 (CHF)
  • 1. Pharma −1.3%
    CHF 10'296 CHF 10'159
  • 2. Reinigung & Gebäudebetreuung +0.3%
    CHF 5'250 CHF 5'266
  • 3. Chemie +0.5%
    CHF 8'067 CHF 8'109
  • 4. Grosshandel +0.9%
    CHF 7'414 CHF 7'478
  • 5. Detailhandel +2.3%
    CHF 5'095 CHF 5'214

Das Überraschende steht ganz oben: Pharma und Chemie zahlen Spitzenlöhne — und legten trotzdem fast nichts zu. Pharma rutschte sogar leicht ins Minus. Das hat zwei Gründe. Erstens wachsen sehr hohe Löhne grundsätzlich langsamer; aus einem Lohn von über CHF 10'000 wird selten ein dickes Prozent-Plus. Zweitens schwanken einzelne Hochlohn-Branchen mit Bonusrunden und mit der Mischung der Stellen — schon ein paar Verschiebungen im Personalbestand bewegen den typischen Lohn.

Am unteren Ende blieben Reinigung (+0.3%) und Detailhandel (+2.3%) als ganze Branchen unter dem Schnitt — und das, obwohl genau dort gesetzliche Mindestlöhne und neue Tarifabschlüsse griffen. Wie das zusammenpasst, klärt der nächste Abschnitt. Die Lehre für die Job-Suche bleibt: Ein hoher Lohn heute sagt wenig darüber aus, ob er morgen noch steigt.

Der Boden hob sich trotzdem — nur anders, als die Branchen vermuten lassen

Eine Zahl scheint dem allen zu widersprechen: Die tiefsten Löhne stiegen schneller als die höchsten. Die 10% mit den niedrigsten Löhnen kamen 2024 auf CHF 4'635 — 3.3% mehr als zwei Jahre zuvor. Die bestbezahlten 10% legten mit +2.9% (von CHF 12'178 auf 12'526) weniger zu. Auch der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern wurde kleiner: von 9.5% auf 8.4%.

Wie passt das zu Reinigung +0.3% und Detailhandel +2.3%? So: Was hier stieg, ist der gesetzliche Lohn-Boden — nicht die Mitte einer Branche. Mehrere Kantone (Genf, Neuenburg, Tessin, Basel-Stadt) führten Mindestlöhne ein, und in Gastgewerbe, Detailhandel und Reinigung haben Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsam die Tariflöhne angehoben. Das hebt vor allem die alleruntersten Löhne. Und weil in genau diesen Branchen überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten — drei von vier Stellen unter CHF 4'500 sind Frauenstellen —, schrumpft damit automatisch auch der Abstand zwischen Frauen- und Männerlöhnen.

Für dich heisst das zweierlei. Stehst du heute ganz unten, hebt sich der gesetzliche Boden unter dir — eine echte Verbesserung, gerade beim Einstieg. Suchst du aber eine Branche, die als Ganzes nach oben zieht, zeigt die Statistik klar woanders hin: Technik, Bau, Logistik und die öffentliche Verwaltung.

Eine Warnung für 2026: was die Zahlen noch nicht zeigen

Diese Auswertung ist eine Momentaufnahme von 2024. Seither hat ein Faktor das Bild schneller verändert als jeder Lohnabschluss: künstliche Intelligenz. Und sie trifft ausgerechnet zwei der sechs Aufsteiger — Informatik und Beratung.

Der Lohnschub 2022–2024 in der IT war der Ausläufer des Tech-Booms nach der Pandemie. 2025 hat sich das gedreht: Im Fachkräftemangel-Index von Adecco und der Universität Zürich sind die Informatik-Berufe erstmals von der Mangelliste verschwunden — inzwischen gibt es eher zu viele Bewerbende als offene Stellen (offene IT-Stellen −8%, Stellensuchende +17% gegenüber dem Vorjahr). Der Grund laut Studie: Genau diese Berufe sind stark der KI ausgesetzt. Mehr dazu in unserem Artikel Fachkräftemangel Schweiz 2025. Die IT-Löhne steigen 2026 zwar weiter, aber nur noch moderat — und das Feld spaltet sich: KI- und Senior-Spezialist:innen sind gefragt, einfaches Coding und Einstiegsaufgaben übernimmt zunehmend die Maschine.

In der Beratung läuft dasselbe Muster an. Das klassische Modell mit vielen Junior-Berater:innen ist genau das, was KI umbaut. Noch hält die Nachfrage — aber die Richtung ist gesetzt.

Die robusten Aufsteiger sind das Gegenteil: Bau, Logistik, Technik und die öffentliche Verwaltung sind körperlich, reguliert oder von Demografie und Gesamtarbeitsverträgen getrieben — schwer zu automatisieren und nicht über Nacht wegrationalisiert. Ob Informatik und Beratung ihren Lohnvorsprung halten, zeigt erst die nächste grosse Lohnstudie des Bundes (2026, veröffentlicht Ende 2027). Bis dahin sind die sichersten Wetten die KI-robusten Branchen.

Was heisst das für deinen nächsten Schritt?

Drei Dinge nimmst du aus den Zahlen mit:

  • Die Branche schlägt die Erfahrung. Der Wechsel von einer Stillsteher- in eine Aufsteiger-Branche bringt über zwei Jahre oft mehr als jahrelanges Warten auf die nächste Stufe am selben Ort.
  • Hoher Lohn ist nicht steigender Lohn. Pharma und Chemie zahlen top, bewegten sich aber kaum — Pharma sogar ins Minus. Wer Lohnwachstum will, schaut auf die Richtung, nicht nur auf die Höhe.
  • Wo Fachkräfte knapp und tariflich geschützt sind, steigt der Lohn. Bau, Technik, Logistik und der öffentliche Dienst vereinen beides — deshalb stehen sie zuoberst.

Was in deinem Beruf und deiner Region üblich ist, kannst du mit unserem Schweizer Lohnrechner prüfen — inklusive regionaler Unterschiede und Pensum-Anpassung.

Häufige Fragen

Welche Schweizer Branche hat den Lohn 2022 bis 2024 am stärksten erhöht?

Den grössten Zuwachs verzeichnete der Tiefbau mit +6.0% (von CHF 6'754 auf 7'161). Dahinter folgen Unternehmensberatung (+5.7%), Maschinenbau und Logistik (je +5.3%), die öffentliche Verwaltung (+5.2%) und die Informatik (+4.9%). Alle legten deutlich stärker zu als der Gesamtschnitt von +3.5%.

In welcher Branche sank der Lohn?

In der Pharmaindustrie fiel der typische Lohn leicht — von CHF 10'296 auf 10'159 (−1.3%) — und das, obwohl die Branche zu den bestbezahlten der Schweiz gehört. Fast stillgestanden sind auch Chemie (+0.5%), Grosshandel (+0.9%) und die Reinigung (+0.3%). Ein hoher Lohn heute bedeutet also nicht, dass er weiter steigt.

Sind die Schweizer Löhne real gestiegen?

Auf dem Lohnzettel ja: Der typische Lohn legte um 3.5% zu (CHF 6'788 → 7'024). Weil in denselben zwei Jahren aber auch die Preise stiegen, blieb nach Abzug der Teuerung kaum etwas übrig. Echtes Plus machten nur die Branchen, die klar über der +3.5%-Marke lagen — also Bau, Technik, Logistik und die öffentliche Verwaltung.

Warum wurde der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern kleiner?

Er sank von 9.5% (2022) auf 8.4% (2024). Der Hauptgrund: Neue kantonale Mindestlöhne und Tarifabschlüsse haben vor allem die tiefsten Löhne angehoben — und in genau diesen Tieflohn-Branchen (Detailhandel, Reinigung, Gastgewerbe) arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen. Wird der Lohn-Boden gehoben, profitieren Frauen überproportional, und der Abstand schrumpft.

Lohnt sich ein Branchenwechsel für mehr Lohn?

Die Zahlen sprechen dafür. Der Sprung von einer Stillsteher- in eine Aufsteiger-Branche bringt über zwei Jahre oft mehr als langes Warten auf die nächste Lohnstufe am selben Ort. Entscheidend ist die Richtung der Branche, nicht nur die aktuelle Lohnhöhe. Am robustesten sind Bau, Technik, Logistik und die öffentliche Verwaltung — schwer automatisierbar und von Fachkräftemangel oder Gesamtarbeitsverträgen getrieben.

Sind IT und Beratung noch sichere Aufsteiger-Branchen?

Zwischen 2022 und 2024 ja — IT-Löhne stiegen um 4.9%, Beratung um 5.7%. Seither hat sich das Bild gedreht: 2025 sind die Informatik-Berufe im Fachkräftemangel-Index von Adecco und der Universität Zürich erstmals von der Mangelliste verschwunden, weil sie stark der künstlichen Intelligenz ausgesetzt sind. Die Löhne steigen 2026 nur noch moderat, und einfache Einstiegsrollen geraten unter Druck. Wer auf Lohnwachstum mit wenig KI-Risiko setzt, ist in Bau, Logistik, Technik oder der öffentlichen Verwaltung sicherer aufgehoben.

Welche Daten liegen dem Vergleich zugrunde?

Die Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) für die Jahre 2022 und 2024 — eine Erhebung bei rund 36'000 Unternehmen mit Millionen erfassten Lohndatensätzen. Verglichen wird der mittlere Bruttolohn (Median) pro Wirtschaftszweig, umgerechnet auf eine Vollzeitstelle, für die gesamte Wirtschaft (privater und öffentlicher Sektor). Beide Jahre verwenden dieselbe Branchen-Einteilung und sind direkt vergleichbar.