FunkyJobs Journal · Nr. 004

Lohn-Plateau: Diese 5 Schweizer Berufsfelder zahlen kaum mehr nach 10 Jahren

Die Schweiz gilt als Land der Leistungsgerechtigkeit — wer arbeitet, kommt voran. Die offiziellen Lohndaten zeigen das Gegenteil: In fünf Berufsfeldern verdienen Mitarbeitende mit zehn bis fünfzehn Jahren Erfahrung kaum mehr als Berufseinsteigende. Der grösste Lohnzuwachs liegt bei +9.3% — über die ganze Karriere.

+5.5%
Kleinster Lohnzuwachs
Reinigung & Hauswartung, ganze Karriere
5/45
Berufsfelder mit unter +10% Lohnzuwachs
von 45 ausgewerteten Berufsfeldern
+66.7%
Grösster Lohnzuwachs zum Vergleich
Ärzt:innen, Assistenz → Oberarzt

Die fünf Berufsfelder mit dem flachsten Lohn-Plateau

Wir haben die offizielle Schweizer Lohnstatistik des Bundes ausgewertet — und für 45 Berufsfelder verglichen, was Berufseinsteigende verdienen und was Mitarbeitende mit zehn bis fünfzehn Jahren Erfahrung bekommen. Die fünf Berufsfelder mit dem kleinsten Lohnzuwachs:

Lohnsprung Berufseinstieg → 10–15 Jahre Erfahrung (Median, CHF/Monat)
  • 1. Reinigung & Hauswartung +5.5%
    CHF 4'320 CHF 4'557
  • 2. Hilfskräfte Nahrungsmittelzubereitung +5.6%
    CHF 4'247 CHF 4'484
  • 3. Gastronomie & Hotellerie (Service) +8.5%
    CHF 4'669 CHF 5'064
  • 4. Verkauf & Detailhandel +8.6%
    CHF 4'879 CHF 5'301
  • 5. Lager & Hilfsarbeit +9.3%
    CHF 5'225 CHF 5'710

1. Reinigung & Hauswartung — der härteste Plateau-Befund

Wer in der Reinigungsbranche fünfzehn Jahre lang arbeitet, verdient im Schnitt CHF 237 mehr pro Monat als am ersten Tag — die kleinste Differenz von allen Branchen, die wir ausgewertet haben. Die Erklärung steckt im Branchen-Gesamtarbeitsvertrag, der für die ganze Branche gilt: Mindestlohn ab 2024 ist CHF 20 pro Stunde (exklusive 13. Monatslohn). Es gibt zwei Lohnstufen — Eintritt und nach absolviertem GAV-Kurs (CHF 1.50 mehr pro Stunde). Für Reinigungsfachkräfte mit Lehrabschluss (EFZ) steigt der Mindestlohn 2026 auf CHF 4'700 pro Monat, für EBA-Abgeschlossene auf CHF 4'200.

Mehr Lohn-Spielraum gibt es kaum: Über die Plateau-Grenze hinaus führt fast nur die Spezialisierung Richtung Facility Management (eidg. Berufsprüfung), wo Median-Löhne von CHF 6'500 bis 8'000 erreichbar sind.

2. Küchenhilfen und Spüldienst

Küchenhilfen, Spüldienst, Vorbereitungs-Personal: die Löhne bewegen sich zwischen CHF 4'247 am Anfang und CHF 4'484 nach mehr als zehn Jahren. Wer in der Küche tatsächlich aufsteigen will, kommt um die Berufslehre nicht herum: Mit Köchin- oder Koch-Abschluss (EFZ) öffnet sich ein neuer Lohnpfad — von rund CHF 4'200 als Berufseinsteiger:in auf CHF 5'600 mit Erfahrung. Ohne diesen Schritt bleibt das Plateau praktisch unbeweglich.

3. Service in Gastronomie und Hotellerie

Im Schweizer Gastgewerbe gilt für rund 220'000 Beschäftigte der Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV). Seit Februar 2025 schreibt er folgende Mindestlöhne pro Monat vor: CHF 3'706 für ungelernte Mitarbeitende ab 18 Jahren und CHF 4'519 für Mitarbeitende mit Lehrabschluss (EFZ).

Mit Berufserfahrung steigt der Lohn im Service-Bereich nur um knapp CHF 400 — von CHF 4'669 am Anfang auf rund CHF 5'064 nach zehn bis fünfzehn Jahren. Wer wirklich mehr verdienen will, muss den Beruf wechseln: zur Küchenchef-Linie (CHF 6'500–8'500) oder ins Front-Office-Management einer Hotelkette. Beides sind Pfade mit wenigen Stellen pro Mitarbeitenden. Für den Koch-Pfad: Lohn-Daten Köchin/Koch →

4. Verkauf und Detailhandel

Im Schweizer Detailhandel gibt es keinen einheitlichen Branchen-Lohnvertrag — jede Kette (Migros, Coop, Manor, kleinere Anbieter) hat ihre eigenen Regelungen. In der amtlichen Lohnstatistik liegt der mittlere Lohn bei CHF 4'879 am Anfang und steigt auf CHF 5'301 nach zehn bis fünfzehn Jahren — ein Plus von rund CHF 420 über die ganze Karriere.

Drei Faktoren erklären die Stagnation: hoher Frauenanteil, viele Teilzeitstellen, und der starke Druck durch Automatisierung (Self-Checkout, E-Commerce). Wer aufsteigen will, zielt auf die Filialleitung mit CHF 6'500–8'500. Pro Filiale gibt es davon allerdings nur eine Stelle.

5. Lager und Hilfsarbeit

Stelleninserate werben gerne mit «Karrierechancen im Lager» — die Lohnentwicklung sieht anders aus: CHF 5'225 am Anfang, CHF 5'710 nach zehn bis fünfzehn Jahren, ein Plus von CHF 485. Echten Aufstieg gibt es nur über eine Berufslehre als Logistiker:in oder den Wechsel in Funktionen wie Disponent:in oder Lagerleitung — beides ist statistisch eher die Ausnahme.

Dazu kommt ein zweiter struktureller Druck: Lager-Automation (Förderbänder, Kommissionier-Roboter) verlagert die Anforderungen von Hilfsarbeit hin zu Anlagen-Bedienung. Das hebt nicht automatisch die Löhne der bestehenden Belegschaft — eher führt es zu Stellenabbau im unteren Lohnsegment.

Was die Pflege-Zahlen verraten — und was sie verschweigen

Knapp über der Top-5-Schwelle steht ein Befund, der mit dem öffentlichen Care-Notstand-Narrativ kontrastiert: Bei Pflege- und Betreuungsberufen wächst der Lohn vom Berufseinstieg bis zur mittleren Karriere nur um +9.4% — von CHF 5'199 auf CHF 5'687. Über zehn bis fünfzehn Jahre Erfahrung reicht das nicht weit.

Aber: Diese Zahl mischt sehr verschiedene Pfade in einen Topf — häusliche Pflege, Spitex-Mitarbeitende und FaGe (Fachfrau/Fachmann Gesundheit EFZ) gelten in der Statistik als eine Berufsgruppe. Wer den Bildungs-Sprung zur Pflegefachperson HF schafft, springt strukturell auf einen anderen Lohnpfad: von rund CHF 5'200 auf etwa CHF 6'450 — plus 24% in einem Schritt. Der Mittelwert verwischt diesen Effekt. Wer den Sprung nicht macht, sitzt strukturell mit den anderen Plateau-Berufen in einer Reihe.

Zur Einordnung: Top 5 mit grösstem Lohnsprung

Damit die Plateau-Befunde nicht im luftleeren Raum stehen, hier dieselbe Methodik für die andere Seite des Spektrums:

Top 5 grösste Lohnsprünge — Berufseinstieg → 10–15 Jahre Erfahrung
  • 1. Ärzt:innen (Assistenz → Oberarzt) +66.7%
    CHF 7'500 CHF 12'500
  • 2. Geschäftsleitung & Vorstand +56.9%
    CHF 6'987 CHF 10'966
  • 3. Kaufmännische Führungskräfte +54.3%
    CHF 6'762 CHF 10'431
  • 4. Zahnärzt:innen +50.0%
    CHF 8'000 CHF 12'000
  • 5. Betriebswirtschaftliche Fachkräfte +43.9%
    CHF 7'056 CHF 10'152

Auffällig: Die Top der Sprung-Listen sind durchgängig Berufe mit starken vertikalen Karrierestufen — Assistenz- zu Oberarzt, Sachbearbeitung zu Führung, Junior- zu Senior-Manager. Genau diese Stufen-Architektur fehlt in den Plateau-Berufen weitgehend.

Was tun, wenn du in einem Plateau-Beruf arbeitest?

Vier strukturelle Hebel zeigen empirisch den grössten Lohn-Effekt:

  • Spezialisierung mit eidg. Prüfung: Reinigung → Facility Manager (+50%), Detailhandel → Filialleitung (+30–40%), Service → Restaurantleitung (+25–35%).
  • Bildungs-Sprung: FaGe → Pflegefachperson HF (+24%), Logistiker EBA → EFZ (+15–20%), Köchin/Koch ohne Lehre → mit EFZ (+15–25%).
  • Querbewegung in adjacente Branchen: Gastro-Service → Eventmanagement, Detailhandel → B2B-Vertrieb, Reinigung → Hauswartung mit Liegenschaften-Verantwortung.
  • Branchenwechsel im selben Beruf: Detailhandel → Spitäler-Einkauf, Lager → Spital-Logistik (höhere Tarif-Pfade in Spital-GAVen).

Wo du heute stehst, lässt sich mit unserem Schweizer Lohnrechner für den eigenen Beruf prüfen — inklusive regionaler Unterschiede und Workload-Anpassung.

Häufige Fragen

Was ist ein Lohn-Plateau?

Ein Lohn-Plateau ist eine berufliche Situation, in der zusätzliche Berufserfahrung kaum noch zu höheren Löhnen führt. In den hier untersuchten Berufsfeldern verdienen Mitarbeitende mit zehn bis fünfzehn Jahren Erfahrung weniger als 10% mehr als Berufseinsteigende.

Welcher Schweizer Beruf hat den grössten Lohnsprung mit Erfahrung?

Ärzt:innen haben mit +66.7% den grössten Lohnzuwachs — Assistenzärzt:innen verdienen rund CHF 7'500 pro Monat, Oberärzt:innen rund CHF 12'500. Danach folgen Geschäftsleitungs-Funktionen (+56.9%) und kaufmännische Führungskräfte (+54.3%).

Sind die Plateau-Berufe schlecht bezahlt?

Nein — vier der fünf Plateau-Berufe haben einen Einstiegslohn über CHF 4'200 pro Monat, was im internationalen Vergleich kompetitiv ist. Das Problem ist nicht das Niveau, sondern die fehlende Entwicklung. Wer fünfzehn Jahre dabei bleibt, verdient nur knapp mehr als am ersten Tag.

Wie kann ich aus einem Lohn-Plateau ausbrechen?

Vier Wege zeigen empirisch Wirkung: eine eidg. Berufsprüfung in der eigenen Branche, ein formeller Bildungs-Sprung (zum Beispiel von FaGe zur Pflegefachperson HF), ein Wechsel in eine angrenzende Branche mit besseren Lohnstrukturen, oder ein Branchenwechsel im selben Beruf (zum Beispiel von Detailhandel zu Spital-Einkauf).

Welche Daten liegen der Auswertung zugrunde?

Die Lohnstrukturerhebung 2022 des Bundesamts für Statistik — eine Vollerhebung mit rund 60'000 befragten Unternehmen und etwa zwei Millionen erfassten Lohndatensätzen. Wir vergleichen den mittleren Bruttolohn der unter 30-Jährigen mit jenem der 30- bis 49-Jährigen pro Berufsfeld, bereinigt um die offizielle Lohnentwicklung 2022 bis 2025.