Ratgeber Karriere

Quereinstieg Schweiz 2026 – Berufe, Umschulung & Tipps

Beliebte Berufe für Quereinsteiger, der Weg in die IT, Umschulungsmöglichkeiten und konkrete Tipps für den erfolgreichen Berufswechsel in der Schweiz.

Was ist ein Quereinstieg?

Ein Quereinstieg bedeutet, dass du ohne fachspezifische Ausbildung in ein neues Berufsfeld wechselst. Anders als beim klassischen Karriereweg bringst du keine branchentypische Lehre oder ein passendes Studium mit – dafür aber übertragbare Fähigkeiten aus deinem bisherigen Beruf.

Quereinstieg
Wechsel in ein komplett neues Berufsfeld. Beispiel: Kauffrau wird Softwareentwicklerin. Bisherige Erfahrung liegt in einer anderen Branche.
Umschulung
Formale Neu-Ausbildung in einem anderen Beruf, oft gefördert durch RAV oder Kanton. Führt zu einem anerkannten Abschluss (EFZ, Diplom).
Weiterbildung
Vertiefung im bestehenden Feld oder Erweiterung in verwandte Bereiche. Beispiel: Marketing-Manager lernt Data Analytics. Kein vollständiger Branchenwechsel.

In der Schweiz ist ein Quereinstieg besonders realistisch, weil der Fachkräftemangel in vielen Branchen akut ist. Laut dem Fachkräftemangel-Index der Uni Zürich fehlen Fachkräfte vor allem in IT, Gesundheit, Ingenieurwesen und Handwerk – genau die Bereiche, die für Quereinsteiger am offensten sind.

Beliebte Berufe für Quereinsteiger in der Schweiz

Nicht jeder Beruf eignet sich für einen Quereinstieg. Die folgenden Felder sind besonders offen, weil sie entweder keinen reglementierten Zugang haben oder über Nachholbildungen zugänglich sind.

Informatik & Software

Der grösste Mangelbereich der Schweiz. Besonders gefragt: Webentwicklung, IT-Support, Projektmanagement, Datenanalyse. Viele Unternehmen stellen nach Können ein, nicht nach Diplom. Bootcamps und Online-Kurse ermöglichen den Einstieg in 3–12 Monaten.

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Pflege & Gesundheit

Akuter Mangel an Pflegepersonal. Der Einstieg erfolgt oft über die FaGe-Nachholbildung (verkürzte Lehre für Erwachsene, 2 Jahre). Auch Spitex, Seniorenbetreuung und medizinische Assistenz sind für Quereinsteiger zugänglich.

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Gastronomie & Hotellerie

Hohe Fluktuation und permanenter Personalbedarf. Einstiegspositionen (Service, Küchenhilfe, Rezeption) erfordern oft keine formale Ausbildung. Wer sich bewährt, kann sich intern hocharbeiten. Saisonbetriebe in Tourismusregionen sind besonders offen.

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Handwerk & Technik

Elektriker, Sanitärinstallateure, Schreiner – in allen Handwerksberufen fehlt Nachwuchs. Der Quereinstieg läuft über eine verkürzte Lehre für Erwachsene (Art. 32 BBV), die 2–3 Jahre dauert und zum vollen EFZ führt. Besonders beliebt: Elektroinstallation und Gebäudetechnik.

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Vertrieb & Kundenservice

Klassischer Quereinstiegsbereich: Kommunikationsstärke und Empathie zählen mehr als Diplome. Versicherungen, Telekommunikation und Tech-Unternehmen stellen regelmässig Quereinsteiger ein und bilden intern aus.

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Kaufmännische Berufe (KV)

Die kaufmännische Nachholbildung ist eine der beliebtesten Umschulungen der Schweiz. In 2 Jahren zum KV-Abschluss (EFZ), auch berufsbegleitend möglich. Besonders geeignet für Menschen mit Organisationstalent und Sprachkenntnissen.

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Quereinstieg in die IT / Informatik

Die IT ist das beliebteste Ziel für Quereinsteiger – und der Bereich mit den besten Chancen. Der Schweizer IT-Fachkräftemangel wird laut ICTswitzerland bis 2030 auf über 35’000 offene Stellen anwachsen. Viele Unternehmen bewerten praktische Fähigkeiten höher als formale Abschlüsse.

Einstiegswege in die IT

Wege in die Informatik für Quereinsteiger
Weg
Dauer & Kosten
Geeignet für
Coding-Bootcamp
3–6 Monate, CHF 5’000–15’000
Webentwicklung, Frontend/Backend
Online-Kurse / Selbststudium
6–12 Monate, CHF 0–2’000
Data Analytics, IT-Support, Automatisierung
Verkürzte Lehre (EFZ)
2 Jahre, mit Lehrlingslohn
Informatik EFZ (Applikations- oder Plattformentwicklung)
Höhere Fachschule (HF)
2–3 Jahre berufsbegleitend, CHF 3’000–8’000/Jahr
Wirtschaftsinformatik, Systemtechnik
Zertifizierungen
1–3 Monate pro Zertifikat, CHF 500–3’000
Cloud (AWS/Azure), Cybersecurity, Netzwerk

IT-Rollen für Quereinsteiger

IT-Support / Helpdesk
Tiefste Einstiegshürde. Technisches Verständnis und Kommunikationsfähigkeit reichen. Lohn: CHF 55’000–70’000. Guter Sprungbrett-Job in Richtung Systemadministration.
Webentwicklung
Beliebtester Bootcamp-Weg. Frontend (HTML, CSS, JavaScript) oder Full-Stack. Portfolio zählt mehr als Diplom. Lohn: CHF 70’000–100’000 nach 1–2 Jahren Erfahrung.
Data Analytics
Ideal für analytische Köpfe. SQL, Excel, Python-Grundlagen und Visualisierung (Tableau, Power BI). Besonders gefragt in Banken und Pharma. Lohn: CHF 75’000–95’000.
IT-Projektmanagement
Brücke für erfahrene Fachkräfte. Wer Projektmanagement-Erfahrung mitbringt, kann mit einer Scrum/Agile-Zertifizierung schnell einsteigen. Lohn: CHF 90’000–120’000.

Tipp: Bau dir ein Portfolio auf, bevor du dich bewirbst. Ein GitHub-Profil mit eigenen Projekten, ein Blog oder eine selbst gebaute Website überzeugen mehr als jedes Zertifikat.

Umschulung & Weiterbildung in der Schweiz

Die Schweiz hat eines der durchlässigsten Bildungssysteme der Welt. Auch ohne Matura stehen dir viele Wege offen – von der verkürzten Lehre bis zur Höheren Fachschule.

Umschulungswege im Schweizer Bildungssystem
Weg
Details
Abschluss
Verkürzte Lehre für Erwachsene (Art. 32 BBV)
2–3 Jahre, mit Lehrvertrag und Lohn. Voraussetzung: 5+ Jahre Berufserfahrung (davon mind. 2 im Zielberuf oder verwandt).
EFZ (eidgenössisch anerkannt)
Validierung von Bildungsleistungen
Vorhandene Kompetenzen werden geprüft und angerechnet. Nur fehlende Module müssen nachgeholt werden. Für erfahrene Praktiker ideal.
EFZ / EBA
Höhere Fachschule (HF)
2–3 Jahre Vollzeit oder berufsbegleitend. Praxisorientiert, kein akademischer Weg. Stark in IT, Pflege, Technik.
HF-Diplom
Berufsprüfung (BP)
Vorbereitungskurse + eidg. Prüfung. Vom Bund mit bis zu 50 % der Kurskosten subventioniert (max. CHF 9’500).
Eidg. Fachausweis
Branchenkurse / Bootcamps
Wochen bis Monate. Kein eidg. Abschluss, aber branchenanerkannt. Besonders in IT, Digital Marketing, UX Design verbreitet.
Kurszertifikat

Finanzierung

Arbeitslosenversicherung (ALV)
Das RAV kann Umschulungskosten übernehmen, wenn sie die Vermittelbarkeit verbessern. Antrag stellen, bevor du den Kurs buchst. Gilt auch für Sprachkurse und Zertifizierungen.
Bundessubventionen
Vorbereitungskurse auf eidgenössische Prüfungen werden mit bis zu 50 % der Kurskosten subventioniert (Subjektfinanzierung Bund). Auszahlung nach bestandener Prüfung.
Kantonale Stipendien
Je nach Wohnkanton sind Stipendien oder Darlehen für Zweitausbildungen möglich. Voraussetzungen variieren stark – informiere dich bei deinem kantonalen Stipendienamt.
Steuerabzug
Weiterbildungskosten sind bis CHF 12’000 pro Jahr steuerlich absetzbar (Bundessteuer). Dazu zählen Kursgebühren, Lehrmittel und Prüfungsgebühren – nicht aber Erstausbildungen.

8 Tipps für den Berufswechsel

1

Übertragbare Fähigkeiten identifizieren

Jeder Beruf vermittelt Fähigkeiten, die anderswo wertvoll sind: Projektmanagement, Kommunikation, analytisches Denken, Teamführung. Liste deine Stärken auf und übersetze sie in die Sprache des Zielberufs.

2

Informationsgespräche führen

Kontaktiere Menschen, die bereits im Zielberuf arbeiten. Frage nach Alltag, Einstiegswegen und realistischen Erwartungen. LinkedIn und Branchenevents sind gute Ausgangspunkte. Die meisten Menschen teilen ihre Erfahrungen gern.

3

Klein anfangen

Teste das neue Feld, bevor du alles aufgibst: Nebenprojekte, Freiwilligenarbeit, Abendkurse, Schnuppertage. So merkst du früh, ob der Beruf wirklich zu dir passt – und sammeln erste Referenzen.

4

Finanzpolster aufbauen

Ein Quereinstieg bedeutet oft vorübergehend weniger Einkommen. Plane mit 3–6 Monaten Lebenshaltungskosten als Reserve. Kläre Finanzierungsmöglichkeiten (RAV, Stipendien, Arbeitgeber-Unterstützung), bevor du kündigst.

5

Lebenslauf umschreiben

Statt chronologisch aufzulisten, nutze einen funktionalen Lebenslauf: Fähigkeiten und Erfolge nach Themen gruppieren, nicht nach Arbeitgebern. So betonst du, was du kannst – nicht, wo du es gelernt hast. Unser Lebenslauf-Guide hilft bei der Struktur.

6

Lücken offensiv kommunizieren

Verstecke den Quereinstieg nicht – erzähl die Geschichte. Warum dieser Wechsel? Was begeistert dich? Was hast du bereits investiert? Arbeitgeber schätzen Eigeninitiative und bewusste Entscheidungen. Tipps zur Formulierung in unserem Bewerbungsschreiben-Guide.

7

Netzwerk in der Zielbranche aufbauen

Viele Quereinsteiger-Stellen werden nie ausgeschrieben. Geh an Meetups, Branchen-Events und Online-Communities. Ein persönlicher Kontakt wiegt schwerer als 50 Blindbewerbungen.

8

Geduld mitbringen

Ein Quereinstieg dauert 6–18 Monate von der Entscheidung bis zur neuen Stelle. Die ersten Bewerbungen führen oft zu Absagen – das ist normal. Jedes Vorstellungsgespräch ist Übung. Bleib dran.

Quereinsteiger-Jobs finden

Nicht jede Stellenanzeige richtet sich explizit an Quereinsteiger – aber viele Positionen sind trotzdem offen für Branchenfremde. So findest du die richtigen Stellen:

Nach Stichworten suchen

Suche auf FunkyJobs nach Begriffen wie «Quereinsteiger», «keine Erfahrung nötig» oder «Einarbeitung». Filtere nach deiner Wunschbranche und Region.

Jobs für Quereinsteiger suchen →

Grossunternehmen bevorzugen

Grössere Unternehmen haben oft strukturierte Einarbeitungsprogramme und eigene Ausbildungsteams. KMU erwarten eher sofort einsatzfähige Mitarbeitende. Schau dir Unternehmen wie Swisscom, Post, SBB oder Migros an.

Einstiegspositionen nicht unterschätzen

Eine Junior-Stelle, ein Praktikum oder eine Temporäranstellung ist oft der beste Weg in die neue Branche. Einmal drin, öffnen sich intern weitere Türen. Der erste Job muss nicht der Traumjob sein.

Starte deine Suche in der Wunschbranche

Häufige Fragen zum Quereinstieg in der Schweiz

Ein Quereinstieg liegt vor, wenn du ohne branchenspezifische Ausbildung in ein neues Berufsfeld wechselst. Entscheidend ist nicht, dass du keine Erfahrung hast – sondern dass deine bisherige Ausbildung in einem anderen Bereich liegt. Wer z.B. als Kauffrau in die IT wechselt, ist eine Quereinsteigerin – auch wenn sie privat bereits programmiert hat.

In der Regel ja – zumindest anfangs. Rechne mit einem Lohnabschlag von 10–30 % gegenüber erfahrenen Fachkräften. In Mangelbranchen wie IT oder Pflege gleicht sich das oft innerhalb von 2–3 Jahren aus. Nutze unseren Lohnrechner, um den marktüblichen Lohn in deinem Zielberuf zu prüfen.

Besonders offen sind: IT/Software (Entwicklung, Support, Projektmanagement), Pflege/Gesundheit (FaGe-Nachholbildung, Spitex), Gastronomie/Hotellerie, Vertrieb/Kundenservice und Handwerk (Elektro, Sanitär). In diesen Branchen herrscht in der Schweiz ein ausgeprägter Fachkräftemangel.

Nicht immer. In manchen Bereichen (Vertrieb, Kundenservice, Gastronomie) reicht Motivation und Einarbeitung. Für regulierte Berufe wie Pflege oder Elektroinstallation brauchst du aber eine anerkannte Nachholbildung oder Umschulung. Das Schweizer Bildungssystem bietet dafür viele Wege – von Intensivkursen bis zur verkürzten Lehre.

Mehrere Optionen: Die Arbeitslosenversicherung (ALV) übernimmt Kosten, wenn die Umschulung die Stellenchancen verbessert (Antrag über RAV). Kantonale Stipendien gibt es je nach Wohnkanton. Einige Arbeitgeber finanzieren berufsbegleitende Weiterbildungen. Zudem sind Weiterbildungskosten bis CHF 12’000 pro Jahr steuerlich absetzbar.

Formuliere den Wechsel als bewusste Entscheidung, nicht als Notlösung. Betone: (1) Warum du dich für dieses Feld begeisterst, (2) welche deiner bisherigen Fähigkeiten übertragbar sind, (3) was du bereits unternommen hast (Kurse, Projekte, Praktika). Tipps und Vorlagen findest du in unserem Bewerbungsschreiben-Guide.

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